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Europäisches Transport-Update: Straßengüterverkehr baut Vorsprung vor der Schiene aus

29. Juli 2026 · EN · NL · DE · FR

Straßenverkehr baut Vorsprung gegenüber der Schiene aus

Ein am 17. Juli 2026 veröffentlichter Bericht von Union TLF bestätigt, was viele Spediteure bereits spüren: Der Straßengüterverkehr gewinnt im europäischen Binnenverkehr weiter an Marktanteil. Schiene und Binnenschifffahrt haben zusammen in den vergangenen zehn Jahren 4,1 Prozentpunkte Marktanteil verloren, und die Lücke wird größer.

Das deckt sich mit einem separaten Bericht der Eisenbahnagentur der Europäischen Union (ERA), demzufolge die durchschnittliche Übergabezeit an grenzüberschreitenden Schienenstrecken 2025 mehr als eine Stunde betrug, mit Ausfahrtverzögerungen von über 90 Minuten auf mehr als der Hälfte der untersuchten Strecken. Für Verlader, die weiterhin auf die Schiene setzen, bedeutet das deutlich mehr Zeitpuffer einzuplanen, oder zu akzeptieren, dass die Straße für zeitkritische Sendungen die verlässlichere Option bleibt.

Für Spediteure ist dieser Trend gut fürs Volumen, aber schlecht für die Kapazität. Je mehr Fracht die Verlader zurück auf die Straße verlagern, desto stärker verschärft sich der Wettbewerb um verfügbare Kapazität auf zentralen europäischen Korridoren.

Alpensperrungen und Hafenverzögerungen erhöhen den Druck

Auch von anderer Seite wird die Straßenkapazität auf die Probe gestellt. Der Gotthard-Tunnel in der Schweiz, die meistgenutzte Alpenquerung Europas für den Güterverkehr, bleibt diesen Sommer weiterhin planmäßig nachts für Wartungsarbeiten gesperrt. Fahrer auf der A2-Route werden auf Alternativstrecken wie die A13 über Chur und Bellinzona umgeleitet, was zusätzliche Zeit und Kilometer kostet.

Weiter nördlich sorgt Hafenstau für mehr Fracht auf der Straße. In Hamburg liegen die Wartezeiten bei bis zu 2,1 Tagen, in Rotterdam bei bis zu 72 Stunden. Niedrige Wasserstände auf dem Rhein reduzieren die Ladekapazität von Binnenschiffen zudem um bis zu 45 %, wodurch mehr Ladung zwangsläufig auf die Straße verlagert wird und die FTL-Kapazität in Deutschland weiter unter Druck gerät.

Gleichzeitig verlangsamen die stationären deutschen Grenzkontrollen weiterhin den niederländisch-deutschen Verkehr. Anders als die leichteren mobilen Kontrollen, die die Niederlande im Dezember 2024 eingeführt haben, verursachen die festen deutschen Kontrollstellen Verzögerungen von bis zu 30 Minuten pro Lkw, bei rund 375.000 Grenzübertritten pro Tag. In Kombination mit den Hafen- und Rheinproblemen steht die deutsche Straßenkapazität dadurch von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck.

Was das in der Praxis bedeutet: Spediteure, die Alpenrouten, den Rheinkorridor oder die niederländisch-deutsche Grenze befahren, sollten zusätzlichen Zeitpuffer einplanen und realistische ETAs an Kunden kommunizieren. Verlader, die Kapazität auf diesen Strecken buchen, sollten mit knapperer Verfügbarkeit rechnen und früher buchen.

DHL übernimmt baltischen Paketdienstleister Venipak

Auch auf Marktebene findet Konsolidierung statt. DHL eCommerce hat angekündigt, den baltischen Paketdienstleister Venipak zu übernehmen, um durch die Kombination von Venipaks lokalem Netzwerk mit den eigenen Aktivitäten von DHL eine vollständig eigene Präsenz in der Region aufzubauen.

Für Spediteure und Verlader, die in den baltischen Staaten aktiv sind, signalisiert dieser Schritt eine weitere Konsolidierung im Last-Mile- und Paketmarkt, was Preise und Serviceangebote in einem Markt verändern könnte, der bislang stark auf lokale Anbieter setzte.

Worauf Spediteure und Verlader achten sollten

Zusammengenommen zeigen diese Entwicklungen dieselbe zugrunde liegende Geschichte: Der Straßengüterverkehr absorbiert immer mehr Volumen, genau in dem Moment, in dem mehrere Faktoren, Alpenwartung, Hafen- und Flussstörungen sowie Grenzkontrollen, die verfügbare Kapazität einschränken. Mehr Flexibilität in der Planung, saubere Dokumentation für Grenzkontrollen und die Beobachtung von Konsolidierungsschritten wie der baltischen Übernahme durch DHL helfen Unternehmen, einem enger werdenden Markt einen Schritt voraus zu sein.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Warum gewinnt der Straßengüterverkehr in Europa Marktanteile gegenüber der Schiene?

Ein Bericht von Union TLF aus dem Jahr 2026 zeigt, dass Schiene und Binnenschifffahrt zusammen in den vergangenen zehn Jahren 4,1 Prozentpunkte Marktanteil verloren haben. Ein separater ERA-Bericht stellte 2025 Übergabezeiten von über einer Stunde und Ausfahrtverzögerungen von mehr als 90 Minuten auf über der Hälfte der Strecken fest, was die Straße für viele Verlader zur verlässlicheren Option macht.

Warum ist der Gotthard-Tunnel 2026 gesperrt?

Der Gotthard-Tunnel in der Schweiz, die meistgenutzte Alpenquerung Europas für den Güterverkehr, wird diesen Sommer planmäßig nachts für Wartungsarbeiten gesperrt. Fahrer auf der A2 werden auf Alternativstrecken wie die A13 über Chur und Bellinzona umgeleitet, was zusätzliche Zeit kostet.

Warum verknappt sich die Straßenkapazität in Deutschland?

Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig: Hafenstau in Hamburg (bis zu 2,1 Tage) und Rotterdam (bis zu 72 Stunden), niedrige Rheinpegel, die Binnenschiffladungen um 45 % reduzieren, sowie stationäre deutsche Grenzkontrollen, die bei rund 375.000 täglichen Grenzübertritten bis zu 30 Minuten Verzögerung pro Lkw verursachen.

Was bedeutet die Übernahme von Venipak durch DHL für den baltischen Logistikmarkt?

DHL eCommerce plant, den baltischen Paketdienstleister Venipak zu übernehmen, um eine vollständig eigene Präsenz in der Region aufzubauen. Dies signalisiert eine weitere Konsolidierung im Last-Mile- und Paketmarkt im Baltikum mit möglichen Auswirkungen auf Preise und Serviceangebote.

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